Albrecht von Haller

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"Durchsucht den holden Bau der buntgeschmückten Kräuter, [...] Ihr werdet alles schön und doch verschieden finden Und den zu reichen Schatz stäts graben, nie ergründen!"

Albrecht von
HALLER
(Die Alpen) 1729

       

 Botanik 

Albrecht von Haller war in seiner Zeit der führende Schweizer Botaniker:

Laserpitium halleri

  • Autor umfangreicher Florenwerke und Monographien und einer Bibliographie des gesamten botanischen Schrifttums bis in seine Zeit
  • Pionier der Erforschung der Pflanzenwelt der Schweiz und der Alpen
  • Wegbereiter der Pflanzengeographie

 


Inhaltsübersicht:

Haller als Botaniker
Haller im Urteil von Botanikern
Korrespondenz mit Botanikern
Botanik im Haller-Projekt
Literatur zum Thema


 

Haller als Botaniker

Hallers botanisches Werk umfasst umfangreiche Bestandesaufnahmen (Floren) grösserer Regionen (Schweiz, Jena, Göttingen), Monographien von Pflanzengattungen oder Familien (z.B. europäische Laucharten und Orchideen), Beschreibungen botanischer Sammelreisen (in: *Opuscula bot. 1749) und eine kritisch kommentierte Bibliographie (*Bibl. bot. 1771-72) des gesamten botanischen Schrifttums bis in seine Zeit.
Nach mehreren Sammelreisen vor allem in den Alpen und mit Hilfe seiner Freunde (u.a. J. GESSNER), gab Haller als Göttinger Professor das erste umfassende Werk über die Pflanzen der Schweiz heraus (*Enum. stirp. helv. 1742). Für die Universität Göttingen gründete er den botanischen Garten, der bei seinem Weggang 1753 zu den reichsten Europas zählte. 

Haller war Wegbereiter verschiedener Bereiche der Botanik: Er hat die Variabilität von Pflanzen erkannt und die Artkonstanz verworfen; er pflegte die exakte morphologische Beschreibung einer Art mit wiederholter Beobachtung an zahlreichen Exemplaren auch in verschiedenen Entwicklungsstadien und hielt auch Fundorte und Standortsfaktoren fest. Bekannt sind seine Erkenntnisse zur Pflanzengeographie und zu den Höhenstufen. Ein Besonderes Merkmal von Hallers Pflanzenwerken sind seine ausführliche Synonymie der alten ("vorlinneischen") Pflanzennamen und sein Versuch eines natürlichen Systems der Pflanzen.

Die von seinem Zeitgenossen C. von LINNÉ erfolgreich propagierte binäre Nomenklatur mit dem künstlichen Sexualsystem lehnte Haller aus historischen und wissenschaftlichen Gründen (auch in der erweiterten Fassung seiner Schweizerflora *Hist. stirp. helv. 1768) ab. So sind seine Namen der z.B. etwa 300 neu beschriebenen Blütenpflanzen ungültig und seinem botanischem Werk blieb eine grössere Wirkung versagt.

 

Herbarien

Haller hat umfangreiche Herbarien angelegt welche heute grösstenteils noch vorhanden sind. Das Haupt-Herbar liegt in Paris (Muséum National d' Histoire Naturelle), ein kleineres befindet sich am botanischen Institut der Universität Göttingen (seit wenigen Jahren "Albrecht von Haller Institut für Pflanzenwissenschaften" genannt). Einige Belege sind auch im Herbar seines Sohnes Albrecht von HALLER filius (1758-1823) in Genf (Conservatoire et Jardin botaniques) zu finden.

 

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Haller im Urteil namhafter Botaniker

Carl von Linné, 1742: "In fungis novum orbem detexisti, [...] Hallero debemus omnia in his [...]"

Kurt Sprengel, 1818: (über *Hist. stirp. helv. 1768) " [...] ein Werk in welchem die umfassende Kenntniss mit dem rühmlichsten Scharfsinn, die feinste Beobachtung mit der seltensten Gelehrsamkeit verbinden, um es zu einem unvergänglichen Denkmal des grossen Geistes zu machen."

Hermann Christ, 1879: "Schon Haller hat [...] eine vergleichende Übersicht der Höhenzonen gegeben, wahr, kurz und plastisch, wie bis heute kein schöneres Gesammtbild unserer verschiedenen Höhenlagen entworfen ist."

Carl Schröter, 1909: (über *Enum. stirp. helv. 1742) "[...] ist die erste Schweizerflora auf rein wissenschaftlicher Grundlage."

Jules Amann, 1918: "De Haller peut être regardé, en quelque sorte, comme le père de la bryologie en suisse."

Josias Braun-Blanquet, 1932: " [...] Haller begründete die pflanzliche Höhengliederung der Alpen."

Heinrich Zoller, 1977: "Durch seine Ablehnung der binären Nomenklatur [...] riss bei Haller die natürliche Verbindung zur zeitgemässen, ordnenden Beschreibung des Pflanzenreiches ab."

Gerhard Wagenitz, 1977: "Die Erforschung der Pflanzenwelt der Alpen hat aber durch ihn Impulse erhalten die weitergewirkt haben auch da, wo sein Name heute nicht mehr genannt wird."
 

Pflanzen zu Ehren Hallers benannt (heute noch gültige Namen)

Halleria LINNÉ 1737 (tropisch-südafrikanischer Rachenblütler)
Androsace halleri LINNÉ p.p. (Mannsschild)
Cardaminopsis halleri (L.) HAYEK (Schaumkresse)
Carex halleriana ASSO (Segge)
Festuca halleri ALLIONI s.l. (Schwingel)
Laserpitium halleri CRANTZ 1767 (Laserkraut) 
Leucanthemum halleri (SUTER) DUCOMMUN (Margerite)
Oxytropis halleri BUNGE (Spitzkiel)
Primula halleri J. F. GMELIN (Schlüsselblume)
Pulsatilla halleri (ALLIONI) WILLDENOW (Anemone)
Saxifraga halleri VEST (Steinbrech)
Senecio halleri DANDY (Kreuzkraut)
Bartramia halleriana HEDW. (Laubmoos)
Campylium halleri (HEDW.) LINDB. (Laubmoos)

 

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Hallers Korrespondenz mit Botanikern

Botanik ist ein wichtiges Thema in Hallers Korrespondenz, v.a. die Bitte um Austausch von getrockneten Pflanzen und Samen.

Haller stand mit fast allen Botanikern seiner Zeit in Briefkontakt, so zeichnen sich über 100 (etwa 10%) der Korrespondenten duch ihre intensive Beschäftigung mit Botanik aus.

 

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Botanik im Haller-Projekt

Datenbank

Angegliedert an die grosse Datenbank des Projektes wurde eine Botanik-Datenbank erstellt; diese verknüpft folgende Informationen:

 

  • Hallers Namen (Kurzbeschreibungen, sogenannte Polynome) der etwa 1700 Blütenpflanzen aus *Enum. stirp. helv. 1742 und *Hist. stirp. helv. 1768
  • Binäre Namen Ende 18. Jh.
  • Binäre Namen heute (mit den Daten der Rote Liste 1991)
  • Historische Synonyme mit alten (vorlinnéischen) Pflanzennamen bis ins 16. Jh. und früher zurück
  • Fundortsangaben aus *Hist. stirp. helv. 1768 (mit einem Katalog der ca. 2000 Lokalitäten) und Verbreitungsangaben allgemein und Informationen zum Standort und zum Sammler jeder einzelnen Art.


Neben der  Anwendung innerhalb des Projektes konnten erste Auswertungen gemacht werden (Beispiel: Übersichtskarte). Weitere Untersuchungen wie z.B. der Vergleich des Vorkommens von Arten im 18. Jh. und heute und die Publikation der Synonymie-Liste sind  im Gange.

Handschriften

Im Rahmen der Erfassung des nicht brieflichen Nachlasses werden zur Zeit die botanischen Handschriften als Pilotstudie auch kurz inhaltlich analysiert.

 

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Literatur zum Thema

Hallers botanische Hauptwerke

Sekundärliteratur

Lienhard, Luc: Haller et la découverte botanique des Alpes. In: J.-C. Pont, J. Lacki (éd.), Une cordée originale - Histoire des relations entre science et montagne, Genève 2000, S. 120-138.

 

 

            

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